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„Im Gartencenter tanzte heute der Bär!“, erzählte Opa Arne, der die ersten Blumen für den Frühling eingekauft hatte. Bunte Primeln, Mini-Narzissen und Träuble-Hyazinthen und einen riesigen Tulpenstrauß für Oma. Was für eine Pracht.
„Hattest du denn gar keine Angst, Opa?“, fragt Florian. „Bären sind doch gefährlich! Dürfen die denn einfach zwischen den Tulpen herumtanzen?“
Opa lachte. „Junge da war kein Bär. Das ist nur eine Redewendung. Früher, als es noch kein Radio oder Fernsehen gab, kamen Musikanten in die Dörfer. Manche führten einen Bären an der Leine. Die Tiere hatten einen Nasenring, durch den die Leine durchgezogen war. Der Bär stellte sich auf die Hinterbeine und tanzte schwerfällig nach der Geigenmusik seines Herrn. Die Leute liefen herbei, tanzten und klatschten. Deshalb sagt man, wenn viele Menschen zusammenkommen: Da tanzt der Bär.“
Das fand Florian aber gar nicht gut. Ein Bär gehörte nicht auf die Straße und ein Nasenring, der würde sicherlich Schmerzen bereiten. Gerade im letzten Monat hatten sie in der Schule darüber gesprochen, was der Begriff „artgerecht“ bedeutet. Dabei waren sie sich einig geworden, dass Löwen und Tiger, Elefanten und andere wilde Tiere nicht in einen Zirkus gehören, so schön das auch anzusehen ist.
Sie hatten auch über die Massenhaltung von Hühnern gesprochen, die ein elendes Leben führen mussten. Der Lehrer hatte ihnen einen Film gezeigt, bei dem ihnen die Tränen kamen, als sie die federlosen, zerrupften, armseligen Hühner sahen. Florian hatte sofort beim nach Hause kommen seiner Mama erklärt, dass sie nur noch Eier von freilaufenden Hühnern kaufen dürften. Die Mutter hatte gelächelt, ihm über den Kopf gestreichelt und gesagt, dass sie das schon immer mache. Da war er erleichtert gewesen.
„Sag mal Opa, hast du das noch erlebt, dass es kein Radio und Fernsehen gab?“, will Florian nun von Opa wissen. Der lacht und kratzt sich am Kopf, so, als müsse er sein Gehirn aktivieren. Dann antwortet er:
„Nein, nicht einmal deine Urgroßeltern haben das erlebt. Einen Radioempfänger gab es schon früher, aber das Fernsehen, das gab es erst ab 1928. Ich weiß das so genau, weil mein Vater, dein Uropa genau in dem Jahr geboren wurde.“
„Hatten denn deine Eltern einen Fernseher?“ Florian sieht seinen Opa neugierig an, „Anfangs nicht, früher ging man ins Kino, um auf der großen Leinwand die Filme zu sehen. Aber ein Radio hatten sie, meine Mutter schwärmte immer von den Hörspielen, die jeden Abend kamen. Sie hat keine Folge verpasst, wenn sie etwas interessierte. Mein Vater grinste dann, er konnte das nicht verstehen. Das änderte sich sonntags, wenn es um Fußball ging, dann durften wir keinen Mucks sagen, damit Papa alles mitbekam, besonders, wenn sein Lieblingsverein spielte.
Florian wollte nun gern wissen, um was für Hörspiele es sich handelte, das interessierte ihn doch sehr. „Kannst du dich an die Hörspiele erinnern?“, fragte er seinen Opa.
„Oft waren es Märchen, aber auch neuere Geschichten…“, sagte Opa Arne und kratzte sich schon wieder am Kopf, ihr wisst schon, wegen der Gehirnaktivierung.
„War auch die Geschichte vom tanzenden Bären im Gartencenter dabei?“, fragte Florian lachend.
„Nee!“, sagte Opa. „Gartencenter gab es damals noch nicht!“

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich euch die Geschichte vor: 

Zeichnung Regina Meier zu Verl