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Oma Betty und die Veilchen

Heut ist ein wunderbarer Tag, endlich ist der Frühling gekommen. Oma Betty und ich genießen die Sonne im Garten.
„Guck doch mal hier!“, ruft Oma Betty begeistert. „Veilchen!“
„Ich sehe keine Veilchen!“, behaupte ich und sehe auch wirklich nichts. Oma Betty zieht an meinem Arm.
„Du musst dich schonmal etwas bücken, von da oben siehst du sie nicht!“
Ich bücke mich und entdecke winzige blaue Blüten im Rasen.
„Okay!“, sage ich, „Kann ich jetzt wieder gehen?“
Oma Betty ist entsetzt über meine gleichgültige Reaktion. Für sie sind die Veilchen im Rasen eine Sensation, das spüre ich deutlich. Sie sitzt in der Hocke vor den zarten Blümchen und freut sich. Ich würde das zu gern knipsen, habe aber leider Handyverbot.
„Oma, ich würde sie gern für dich fotografieren, darf aber mein Handy nicht benutzen diese Woche!“, erkläre ich und hoffe insgeheim, dass Oma mir ihres anbietet.
„Tja, da kann man nichts machen!“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Schönheit dieser Frühblüher kann man sowieso nicht ablichten, die muss man genießen und erschnuppern!“
„Erschnuppern?“
„Die kleinen Blüten haben nämlich einen Trick, weil sie so klein sind und von den Menschen kaum wahrgenommen werden, verströmen sie einen bezaubernden Duft. Riech doch mal!“
Oma Betty legt sich auf den Bauch und schnuppert, aus der Hocke heraus wäre das nicht möglich gewesen, denn dann wäre sie umgefallen.
Ich lasse mich ebenfalls auf den Bauch fallen und rieche an den Veilchen und tatsächlich, der Duft ist super, er erinnert mich an irgendwas, das mir gerade nicht einfällt. Gerade will ich noch eine Nase voll nehmen, als Oma wohl die gleiche Idee hatte und wir beide mit den Köpfen zusammenstoßen. Aua! Das tat weh, aber lustig war’s auch und ein bisschen kann ich Oma Bettys Begeisterung für die kleinen blauen Blüten nun verstehen.

© Regina Meier zu Verl


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