Schlagwörter

, , ,

Die Elster und das Osterei

Ein Ei lag auf der Wiese. Ein helles, leuchtendes, rot-blau-gelb geringeltes, und es glänzte hell im Licht der Sonne.
„Nanu?“, sagte Elsa, die Elster. „Ein Schatz! Wie wunderfein er glitzert und gleißt!“
Vorsichtig stuppste sie das wundersame Ding mit dem Schnabel an. Es kullerte ein wenig zur Seite.
Elsa erschrak. „Oh, oh! Es bewegt sich!“
Unbedingt wollte sie das Ei nun mit in ihr Nest nehmen und sie betrachtete es von allen Seiten. Wie aber ließ es sich am besten transportieren? Es war viel zu groß für ihren Schnabel.
„Es muss kleiner werden“, sagte sie und pickte aufgeregt auf das Ei ein.
„Halt!“, rief da eine Stimme vom Gebüsch her. „Halt ein!“
„Ruhe! Es ist mein Schatz, jawohl, mein Schatz ganz allein!“, rief Elsa und pickte weiter.
„Oh bitte! Lass ab von meinem Ei, nein, halt, es ist nicht mein Ei! Ein Osterei ist’s, das ich mit den anderen Eiern in meinem Korb zu den Kindern bringen möchte. Ich habe es nur unterwegs verloren.“ Flehentlich klang die Stimme nun.
Elsa blickte auf. „Wer bist du? Und wo steckst du?“
„Ich bin der Ooo…, ach, das glaubst du mir sowieso nicht, ich bin der O-Oskar!“ Ein Hase hoppelte hinter der Gebüsch hervor.
“Ooo-Oskar? Kenne ich nicht. Und überhaupt: Was willst du mit meinem Schatz, denn ich gerade gefunden habe?“ Ein bisschen ungehalten hüpfte Elsa auf das Hasentier, das sich O-o-oskar nannte, zu.
„Ich sage gar nichts, solange ich deinen Namen nicht kenne!“, rief ihr der Hase zu.
Elsa Elster war verblüfft. „Ich bin die E-E-Elsa und nun schieß los!“
„Oh! Ein Elsa bist du also! Was ist das? Für mich siehst du wie ein Vogel aus. Ein großer Vogel, der dem Osterhasen die Eier klaut. Ein Dieb, der dieses Ei einem Kind wegnehmen will. Traurig wird es sein ohne ein Osterei vom Osterhasen. Wegen einer E.l.s.a!“
Der kleine Hase klang empört nun. „Und damit du es weißt: ich bin der Osterhase, ja, der bin ich!“
Die Elster erinnerte sich, dass sie schon einmal etwas vom Osterhasen gehört hatte.
„So nimm doch dein blödes Ei, du Osterhasen-Oskar, und bring es den Kindern!“, rief sie voller Zorn. „Und bestell ihnen einen schönen Gruß von mir. Sie sollen es gut verstecken, denn ich liebe alles, was glänzt, und wenn ich dieses Glitzerei noch einmal irgendwo sehe, dann …“
Eigentlich wollte der kleine Hase dankbar sein, doch er konnte es nicht sein. Von diesem unfreundlichen Elsa-Vogel wollte er kein Geschenk annehmen.
„Nein, danke“, sagte er höflich. „Dieses Ei ist kein glückliches Ei mehr und es passt nicht in Kinderhände. Ich werde ein neues bemalen.“ Er neigte den Kopf, grüßte. „Und dir wünsche ich noch einen schönen Tag.“
Gerade wollte er davon hoppeln, als ihn das schlechte Gewissen drückte. Was war los mit ihm? So unfreundlich war er doch sonst nie! Aber diese Elsa hatte ihn auch so gereizt.
„Es tut mir leid!“, rief Elsa da im gleichen Moment.
„Mir auch!“, sagte er und wandte sich der Elster wieder zu. „Schau her, ich habe ein kleines Ei für dich, das glitzert auch schön und du kannst es viel besser transportieren!“ Er ließ ein winziges Schokoladenei auf Elsa zurollen.
„Das ist ja nett von dir, lieber Osterhasen-Oskar. Danke schön!“, flötete Elsa. Schnell schnappte sie das Ei und flog davon.
So landetet das helle leuchtende, rot blau geringelte Ei doch wieder in der Kiepe des Osterhasen. Welches Kind das wohl bekommen wird? Achte genau auf dein Osternest, ob es nicht vielleicht bei dir ankommt!

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl