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Wiesenblütenfrühling

Es war ein warmer Frühlingstag. Nach den langen, kühlen Regentagen erwachte die Wiese langsam aus dem Winterschlaf. Endlich. Es war höchste Zeit. Das neue Leben wollte beginnen und viel war los auf einmal in der kleinen Wiesenwelt. Die Wiesentiere hatten es eilig nun. Eines nach dem anderen machten sie sich auf, den Frühling zu begrüßen. Auch die Pflanzen erwachten aus dem Winterschlaf. Begierig auf Wärme und Licht reckten sich Gräser, Kräuter und Blütenknospen den Sonnenstrahlen entgegen und erste Blüten schälten sich aus den schützenden Knospen.
„Erster! Wir sind die ersten“, riefen die Veilchen. „Wir schmücken die kahle Winterwiese mit  kleinen blauen Blütentupfern.“
„Wir sind auch die ersten“, sagten die Gänseblümchen. „Wir blühen im Frühling, im Sommer und im Herbst. Einige von uns, manchmal, sogar im Winter.“
„Nein, die ersten sind wir“, meldeten sich die Schneeglöckchen, die Krokusse, die Märzenbecher, die Küchenschellen und der Huflattich zu Wort.
„Wir sind auch schon da“, riefen Vogelmiere und Ehrenpreis und winkten mit ihren kleinen weißen und blauen Blütenköpfen.
„Wir auch, wir auch!“, bimmelten die Himmelsschlüssel. „Vergesst uns nicht! Hört ihr?“
„Vergesst auch uns nicht“, riefen laut da die Vergissmeinnichtblümchen. „Diese Bitte tragen wir bereits in unserem Namen.“
Von überall her hallten die Stimmen nun. Es war laut geworden auf der Winterwiese, die sich fast über Nacht in eine Frühlingswiese verwandelt hatte. Laut und lebhaft. Es war, als riefen alle Frühlingsblumen durcheinander. Und jede wollte die erste sein.
„Wir sind die allerersten“, riefen die Gänseblümchen wieder. Lauter nun. „Unser Blütenlächeln findet ihr vom frühen Frühling bis in den späten Herbst. Einige von uns blühen manchmal sogar im Winter. Ja, wir sind nicht nur die ersten, wir sind auch die besten.“
„Angeber!“, maulte der Sauerampfer und es klang fast, als sei er sauer.
„Was ist mit uns?“, meldeten sich da auch der Hahnenfuß, die Trollblume, das Scharbockskraut und das hellrosafarbene Wiesenschaumkraut. Sie sagten es aber nur leise, denn sie hatten es noch nie geschafft, die ersten bunten Blütentupfer in die Wiese zu zaubern. Sie waren eben Langschläfer.
Wir sind zwar auch nicht die ersten“, rief da der Löwenzahn. „Aber wir blühen zweimal. „Als Löwenzahnblüten ähneln wir zuerst kleinen Sonnensternchen. Später dann könnt ihr uns als Pusteblumen, die federzarten weißen Mondküsschen ähneln, bewundern. Überall findet ihr uns. Unsere Blütenfarben malen die Wiesen und Felder, die Weinberge und Wegränder zuerst gelb, dann silberweiß. Kleine Wunderblumen sind wir und …“
Da sagten die Wiesenblumen nichts mehr. Nur die Gänseblümchen warfen ein „Aber…“ ein, doch dann schwiegen auch sie. Es gab Wichtigeres zu tun jetzt im Frühling.
Der Löwenzahn aber redete und redete und es dauerte lange, bis er merkte, dass ihm längst keiner mehr zuhörte.

© Elke Bräunling

krokuswiese

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