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Die kleine Waldmaus und das Frühlingserwachen

Immer wieder war die kleine Waldmaus in diesem Winter aus dem Schlaf erwacht. Vom Frühling hatte sie geträumt, von warmen Sonnenstrahlen, bunten Blütenwiesen und frischen Kräutern. So malte die Welt den Frühling. Das hatten ihr die älteren Mäuse erklärt. Und diese schöne Welt wollte die kleine Waldmaus kennen lernen. Gleich und immer wieder.
Jedes Mal aber, wenn sie aus ihrem Blätterbettchen kriechen wollte, sagte Opa Maus:
„Es ist Winter, kleine Maus. Du musst noch schlafen.“
„Ist der Winter noch immer da?“, fragte die kleine Waldmaus deshalb auch heute gleich nach dem Aufwachen. Und weil sie glaubte, die Antwort zu kennen, öffnete sie erst gar nicht die Augen.
Irgendetwas aber war anders. Sie schnupperte. Ja, es roch anders in der Mäusehöhle. Frisch und würzig nach Tautropfen, Erdkrümel und Honigsaft. Hmm! Was für ein köstlicher Duft! Es war auch nicht mehr so ungemütlich kalt, dass man meinte, die Pfötchen würden aneinander festfrieren.
„Hmm!“, flüsterte die kleine Maus mit einem Seufzer. „Was für ein schöner Traum das ist! So stelle ich mir das Frühlingserwachen vor. Duftig und warm und süß. Hmm!“
„Es ist kein Traum, kleine Maus“, sagte da eine Stimme. Sie klang fröhlich und war die Stimme von Opa Maus. „Dieses Mal ist es ein Frühlingserwachen. Schau! Der Eingang zu unserer Schlafhöhle ist offen. Du kannst die Strahlen der Sonne sehen. Sie rufen nach uns Schlafmäusen und wollen uns ins Freie locken.“
Die kleine Waldmaus blinzelte. Irgendwie konnte sie nicht glauben, was Opa Maus sagte. So oft hatte er in diesem langen Winter „Du-kannst-die-Sonne-nicht-besuchen.-Es-ist-Winter-und-Winter-ist-kalt-und-gefährlich-für-kleine-Mäuse“ gesagt. „Kein Traum? Es ist wirklich kein Traum?“, fragte sie deshalb noch einmal. „Oh, wie schön das ist!“ Sie schnupperte wieder und lachte. „Es duftet hier wie in meinem Traum.“
Da lachte auch Opa Maus. „Raus mit dir an die frische Frühlingsluft, du faule kleine Traummaus“, sagte er. „Und genieße den Frühling! Er schenkt uns die schönste Zeit im Jahr.“
Das ließ sich die kleine Waldmaus nicht zweimal sagen. Schnell krabbelte sie aus ihrem Blätterbett und trippelte zum Ausgang der Höhle, dem Frühling entgegen.

© Elke Bräunling

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