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Als der kleine gelbe Schmetterling ein Frühlingslied sang

„Was ist denn hier passiert?“
Erschrocken sah sich der kleine gelbe Schmetterling, der gerade aus seinem Nachtschlaf erwacht war, unter einem Rindenstück um. „Die Wiese ist ja ganz weiß gefroren. Und kalt ist mir! Ich dachte, der Winter ist nun endlich vorbei!“
Seine Flügel zitterten vor Kälte – und auch ein bisschen vor Wut.
„Gemein ist das!“, meckerte er los. „Es ist längst Frühling. Hallo, Sonne! Hörst du? Ich brauche deine warmen Strahlen!“
„Einen Schmetterling, der meckert, habe ich noch nie gesehen. Hahaha!“, zwitscherte eine Amsel belustigt. „Warte, ich singe dir ein Lied, damit sich deine Laune bessert.“
Und sie begann zu singen.
Sie sang und sang so wunderschön, dass es dem kleinen gelben Schmetterling warm ums Herz wurde. Im gleichen Moment aber fuhr ihm auch der Schreck in die Beinchen.
„Gleich wird sie mich fressen. Oje!“
Doch die Amsel war nicht hungrig. Sie flog auf eine Tannenspitze und trällerte eine neue Arie.
Der Schmetterling atmete auf. Er flatterte zum Weidenbusch hinüber und setzte sich auf eine Weidenkätzchenblüte. Jetzt wollte er es wie die Amsel auch einmal mit dem Singen versuchen. Er reckte sich und singsangte fröhlich los. Sein Liedchen aber klang eher wie ein leises Summen.
Der kleine Schmetterling blickte zur Amsel, dieser Zaubersängerin, hinüber und schämte sich ein bisschen.
„Schön hast du das gemacht, kleiner Schmetterling!“, sagte da die Sonne mit samtweicher Stimme und sandte einen Sonnenstrahl durch die Wolken. „Zum Dank wärme ich dich ein wenig, auch wenn heute kein Sonnentag ist.“
„Danke, Sonne!“, rief der kleine gelbe Schmetterling. Er hob seine Flügel und flog ein Stück himmelwärts, der Sonne entgegen.
‚Es ist eben nicht so wichtig, laut zu singen oder wunderschön’, dachte er. ‚Wichtig ist, dass man Freude daran hat.’

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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