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Der April und das Wetter

„April, April, der macht, was er will …“, sangen die Kinder. „Mal Regen und mal Sonnenschein, dann hagelt´s wieder zwischenrein. April, April, der macht, was er will.“
„So so“, sagte der April. „Ich mache also nur das, was ich will? Wer ist denn auf diese Schnapsidee gekommen?“ Er fand es gar nicht spaßig, immer das zu machen, wozu er gerade Lust hatte. Das war langweilig. Noch mehr ärgerte ihn, dass viele Leute ihn „Aprilnarr“ nannten.
„Keinen interessiert, wie es mir wirklich ergeht“, maulte er. „Und ich würde auch gerne wissen, warum ich ein Narr sein soll.“
Je mehr der April darüber nachdachte, desto wütender wurde er.
„Hey, ihr!“, rief er in die Welt hinaus. „Glaubt ihr, es macht mir Spaß, für euch den Narren zu spielen? Einmal muss ich für warme Frühlingsluft sorgen, dann wieder muss ich mich um kaltes Wetter mit Eisregen und Schneeschauern kümmern. Aber nicht genug. Gewitter wollt ihr auch noch haben. Regentage. Hagel. Wärme. Sonnenschein. Und … ach, mir fällt gar nicht alles ein. Habt ihr eigentlich einmal daran gedacht, wie stressig eure Wünsche für mich sind? Alles soll ich für euch sein: Winter und Sommer, klar, und Frühling natürlich.“
Der April war wirklich sehr ärgerlich, und als er wieder dieses Lied „Aprillied“ hörte, hatte er diese Faxen endgültig dicke.
„Dieses Lied hat einen falschen Text“, schimpfte er. „Ich werde es euch beweisen.“
Und er machte sogleich mit der Sonne einen Vertrag: „Scheine den ganzen Monat warm vom Himmel!“, bat er sie. „Einmal wenigstens sollen die Menschen nett von mir denken und mich nicht einen dummen Narren schimpfen.“
Die Sonne grinste und breitete ihre Strahlen warm und immer wärmer über das Land aus.
Wie freuten sich die Menschen, die Tiere und Pflanzen da! Aber diese Freude währte nicht lange. Nach zwei Wochen Sonnenschein und Frühlingswärme erreichten den April die ersten Klagen:
„Die Saat geht nicht auf ohne Regen, und das Gras kann nicht wachsen“, schimpften die Bauern.
„Die warme Sonne macht frühlingsmüde“, klagten die Leute in der Stadt.“
„Wir wollen hitzefrei!“, riefen die Kinder.
„Wir verdursten“, weinten die Pflanzen und Tiere.
Und alle riefen übereinstimmend: „Der April ist ein törichter Narr.“
„Wie gemein!“, murmelte der April. „Aber bitte, ich beuge mich euren Wünschen.“
Sogleich schloss er fürs nächste Jahr einen Vertrag mit den Regenwolken für einen Monat Aprilregen ab. Doch auch das war den Menschen nicht recht. Wieder fanden sie 1001 Gründe, weshalb der April ein Narr sei. Der aber beschloss, sich nicht mehr zu ärgern. Er hatte begriffen, dass es ihm nie gelingen würde, jeden zufrieden zu stellen. Nur eines, ja, das begreift der April bis heute nicht: Wer ist denn nun der Narr? Er – oder all die, denen man es nie recht machen kann?

© Elke Bräunling

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