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Das reiselustige Osterei

Das gepunktete Osterei mochte nicht mehr mit den gelb-geringelten, lila-getupften und blau-rot gestreifen Eiern neben dem Schokolade-Osterhasen im Nest liegen bleiben.
„Man weiß nie, was einem hier so alles passieren kann“, murmelte es. „Der große Hund könnte kommen und auf mich treten, der Fuchs könnte mich aus dem Nest stehlen, oder der Rabe könnte meine Schale aufhacken. Als Osterei lebt es sich gefährlich. Außerdem ist es langweilig, bloß hier im Nest herumzuliegen. Man sieht nichts von der Welt. Jawohl!“
Das Ei war neugierig. Alles wollte es kennen lernen. Die Wiese, den Garten, das Dorf, die ganze Welt.
„Ich habe keine Lust, von einem Kind entdeckt, aufgeklopft, gepellt und gegessen zu werden“, sagte es. „Nein, nein, da gehe ich lieber auf Weltreise.“
Schnell sprang es aus dem Nest, rief „Tschüs“ und rollte auf die Wiese.
Viel gab es hier zu sehen: Bienen summten, Käfer krabbelten, Ameisen flitzten umher, und eine Maus streckte den Kopf aus ihrem Mauseloch und bestaunte das Ei.
„Die Welt ist schön“, freute sich das Ei und setzte seinen Weg fort.
In schnellem Tempo kullerte es die Straße hinab. Was für Spaß!
„Juchhu!“, rief es und kullerte und kullerte, und die rosa Punkte auf seinem Schalenkleid wurden blass und blasser.
Auf einmal raste ein Auto an ihm vorbei.
Was für ein Schreck!
Gerade noch rechtzeitig konnte sich das Ei in den Straßengraben retten.
Da lag es nun und zitterte.
Von der großen weiten Welt hatte es erst einmal die Nase voll.
„Oje oje! Meine Farben sind futsch!“, heulte es auf. „Wie ein Osterei sehe ich nicht mehr aus. Was nun?“
Traurig kuschelte es sich unter eine Löwenzahnblüte und wartete auf ein Wunder.
„Vielleicht kommt ja doch noch ein Kind und freut sich, mich hier zu finden“, hoffte es.
Ja, vielleicht.
Vielleicht aber wartet das Ei noch heute?
Pass auf, wenn du zur Osterzeit einen Spaziergang machst.
Vielleicht wartet das Osterei ja irgendwo auf dich!?

© Elke Bräunling

Osterhase in Margeriten

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