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Die Frühlingssuche

„Das Leben ist schön! Heute habe ich den Frühling gesehn. Hurra!“
Jubelnd tappte der kleine Bär durch den Wald und sang sein Liedchen. Am Waldrand blieb er vor den kahlen Büschen stehen und rief:
„Ihr müsst eure Blätter aus den Knospen schälen. Grün sollen eure Zweige wieder sein. Beeilt euch!“ Dann formte er die Bärenpranken zu einem Trichter und rief laut über die Wiese und in den Wald hinein:
„Wacht auf, ihr Langschläfer! Frühling ist da. Ich habe ihn heute gesehen!“
Doch nichts regte sich. Kalt und kahl und schläfrig still blieb es ringsum. Nur ein kleiner Bär war zu hören, der immer wieder „Aufwachen! Der Frühling ist da!“ rief.
„Was ist das für ein Lärm?“, fragte plötzlich ein Stimmchen. „Ich kann den Frühling nicht sehen. Auch rieche und spüre ich ihn nicht.“
Das Eichhörnchen war es, das seine Schlafhöhle in einem Astloch der Eiche hatte. Öfter war der kleine Bär ihm in diesem Winter begegnet.
„Wie gut! Du bist wach!“, erklärte er dem Eichhörnchen. „Es gibt viel zu tun. Allen müssen wir Bescheid geben, dass der Frühling gekommen ist. Die Kraniche, die heute Morgen über den Berg gezogen sind, haben ihn mitgebracht. Und sie sind schließlich die Frühlingsboten. Das weiß doch jeder, oder?“
„Und du bist dir sicher, dass du vielleicht nicht nur einen Schwarm Krähen gesehen hast?“‚ fragte das Eichhörnchen vorsichtig. „Auf Frühling, schätze ich, müssen wir bestimmt noch einen halben Mond warten.“
Hm! Der kleine Bär überlegte. Ob das Eichhörnchen Recht hatte? Schade wäre das. Aber irgendwie hatten sie wirklich ein bisschen gekrächzt, diese Krähenkraniche, als sie sich kurz auf den Baumwipfeln bei der Bärenhöhle niedergelassen hatten.
Verlegen starrte er zu Boden, scharrte mit den Füssen im Gras und murmelte: „Hm ja, ich weiß es nicht so genau. Aber ein bisschen wie Kraniche sahen sie schon aus und es kann doch sein, dass sie …“ Sein Murmeln wurde immer leiser, denn eigentlich wusste der kleine Bär nicht, was er noch sagen sollte. Zu schön wäre das mit den Frühlingsboten gewesen und noch einen halben Mond warten, nein, dazu hatte er keine Lust mehr.
Da! Da sah er es plötzlich blau im Gras blitzen. Eine winzig kleine Blume war es, die süß duftete. Hmmm …
„Eine Blume“, rief er dem Eichhörnchen zu. „Sie duftet nach Frühling! Ein Frühlingsbote ist sie. Siehst du? Der Frühling ist doch da.“
Schnell pflückte der kleine Bär das Veilchen und tanzte hüpfend und sein Liedchen singend über die Wiese und weiter in den Wald hinein.
Das Eichhörnchen schüttelte den Kopf, grinste und kroch in sein Astloch zurück. Für ein kleines Schläfchen nur, denn lange konnte es mit dem Frühling wirklich nicht mehr dauern.

© Elke Bräunling

Hier trifft der kleine Bär einen echten Frühlingsboten: Der kleine Bär und der Frühlingsbote

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