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Als der Frühling Fastnacht feierte

Laut war es heute im Krachmachertal. Hexen rannten kreischend hinter Prinzessinnen her, Revolverhelden ballerten in die Luft, Indianer heulten um die Wette, Ritter und Roboter klirrten hinter Drachen und Marsmonstern her, Bären brummten rosarote Panther an, Räuber verfolgten grölende Hampelmänner, Clowns fidelten, Trommler trommelten, Trompeter trompeteten und Sänger sangen. Ein Höllenlärm herrschte. So richtig zum Geisteraustreiben!
Verwundert rieb sich Herr Frühling die Augen. Was war los da unten? War es schon so weit? Hatte der Winterschlaf ein Ende?
Neugierig stand der Frühling auf, reckte sich und schwebte los durch die Lüfte talwärts.
Sofort fingen Schneemänner und Eiszapfen zu weinen an, Schneelawinen rutschten von Dächern und Bäumen, und Zäune und Hecken verloren ihre weißen Mützen.
Der Frühling achtete nicht darauf. Ihn interessierte nur dieses seltsame Lärmen. Und – hopplahopp – war er auch schon mittendrin.
„Was macht ihr da?“, fragte er einen Cowboy.
„Fastnach feiern und den Winter vertreiben“, sagte der Cowboy und ballerte laut in die Luft. „Ist doch klar, oder?“
Herr Frühling räusperte sich. „Gutgut“, sagte er. Das ist wirklich gut.“
Er fasste einen Schneemann um die Hüfte und tanzte mit ihm lauthals singend durch die Straßen, den Hexen, Prinzessinnen, Cowboys, Indianern, Rittern, Robotern, Drachen, Marsmonstern, Bären, rosaroten Panthern, Räubern, Hampelmännern, Clowns, Trommlern, Trompetern und Sängern hinterher. Oh, und wie er sang! Fröhlich und laut!
Und so machte sich auch gleich heimlich frühlingswarme Luft im Tal breit, die Sonne lachte, und die Leute streckten ihre blassen Winternasen den Sonnenstrahlen entgegen und sagten:
„Der Frühling kommt. Wie schön!“
Herr Winter aber, der sich auf dem Berg mit seinen Kumpanen zu einer Winterkonferenz getroffen hatte, wunderte sich. Warme Lüfte wehten vom Tal herauf und trieben ihm die Tränen in die Augen.
„Was ist denn da unten los?“ polterte er. „Kann man dieses Tal denn keine Sekunde aus den Augen lassen?“
Er winkte die Eiswinde, Schneegeister und Fröste zu sich, und – eins, zwei, drei – sausten die eisfrostigkalt talwärts mitten hinein in das fröhliche, ausgelassene Fastnachtstreiben. Da half kein Lärmen und Krachen, kein Knallen und Singen, kein Heulen und Trommeln.
Frostig wütend hielt der Winter wieder Einzug ins Krachmachertal.
„Huh, ist das kalt“, sagten die Leute und sie zogen sich rasch in ihre Häuser zurück.
„Ihh, wir frieren“, riefen die Hexen, Prinzessinnen, Cowboys, Indianer, Ritter, Roboter, Drachen, Marsmonster, Bären, rosarote Panther, Räuber, Hampelmänner, Clowns, Trommler, Trompeter und Sänger.
„Was für eine Affenkälte!“, schimpfte Herr Frühling und floh schnell vor den eisigen Lüften südwärts weit weg bis zum Meer. Dort legte er sich erschöpft hin und murmelte:
„Nie mehr Fastacht!“
Dann schlief er ein. Er schlief und schlief und schlief, und beinahe hätte er den Frühlingsanfang verschlafen.

© Elke Bräunling

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