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Der Frühlingskuchen

Als Katharina, Sebastian und Jonathan an diesem nasskalten Februartag bei Großtante Emilie vorbeischauten, stand ein Kuchen auf dem Tisch. Er duftete himmlisch nach … Frühling. Ja, wenn man die Augen schloss, konnte man glatt meinen, es sei Frühling und der Tag sei ein sonnenwarmer, blütensüßer Frühlingstag.
Was für eine Überraschung! Frischen Kuchen gab es bei Großtante Emilie nämlich immer nur am Mittwoch und am Sonntag. Am Sonntag den Sonntagskuchen, weil dieser Tag ein Tag der Sonne und des ‚Sonnens‘ war, und damit meinte die Großtante ein gemütliches Ausruhen mit Seelebaumeln und einem sorgenfreien Kopf. Und am Mittwoch den Mittwochskuchen, weil die harte Arbeitswoche nun schon zur Hälfte vorbei war und es viele Gründe gab, sich darüber zu freuen. Wie viele Gründe das waren, verriet die Großtante nicht. Aber dass Arbeiten und Pflichten und Stress für sie etwas unangenehm Lästiges waren, wussten alle, die Großtante Emilie kannten. Man schmunzelte auch gerne darüber.
Und nun stand da dieser Kuchen und es war kein Mittwoch und kein Sonntag. Nein. Es war ein ganz normaler Freitag.
„Hm!“ Der kleine Jonathan schloss genießerisch die Augen und schnupperte. „Dieser Kuchen riecht toll.“
„Hast du ihn für uns gebacken, Tante Emilie?“, erkundigte sich Sebastian, und Katharina meinte verwundert:
„Heute ist doch gar kein Kuchentag.“
„Stimmt!“, sagte die Großtante. „Heute ist Frühlingskuchentag.“
„Heute ist aber auch kein Frühlingstag“, rief Jonathan. „Auch wenn dein Kuchen ein bisschen nach Frühling duftet.“
„Stimmt.“ Katharina schnupperte. „Ich rieche Veilchen und Löwenzahnblüten.“
„Und ich rieche den April“, spöttelte Sebastian.
„Genau!“, rief Jonathan, nachdem er ausgiebig am Kuchen geschnuppert hatte. „Blumenwiesen rieche ich und Schmetterlinge und Erdbeeren und Glückskäfer und noch vieles mehr.“
„Gut geraten“, sagte die Großtante. „Einiges davon findet ihr tatsächlich in diesem Kuchen: Frühlingsblütenhonig zum Beispiel, kandierte Veilchen und Löwenzahnsirup. So zaubert der Frühlingskuchen erste Frühlingsboten in den grauen Februar.“
„Damit wir uns schon ein bisschen auf den Frühling freuen können?“, fragte Katharina.
„Auf den Frühling und auf die Fastenzeit, die in einigen Tagen beginnt.“
„Fasten ist doof“, murrte Sebastian.
„Und es gibt keinen Kuchen mehr für viele Tage“, ergänzte Jonathan mit düsterer Stimme.
„Danach aber ist er wirklich da, der Frühling“, sagte Katharina.
Die Großtante nickte und schnitt den Frühlingskuchen an. Für jeden legte sie ein besonders großes Stück auf den Teller.
„Und nun wisst ihr, warum ich heute schon meinen Frühlingskuchen gebacken habe.“ Sie zwinkerte den Kindern zu. „Und mit ein bisschen Glück haben wir gemeinsam vielleicht eine Idee für einen leckeren Fastenzeitkuchen?“
Und damit es mit dem Glück auch wirklich klappte, legte sie auf jeden Teller einen kleinen Glückskäfer aus Schokolade.

© Elke Bräunling

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Viel Spaß damit!
🙂

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