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Opa Baumann und der fröhliche Blumenstrauß

Opa Baumann war der Märchenopa im Wohnviertel. Zu allem und jedem wusste eine Geschichte oder ein Märchen zu erzählen. Und oft hatte er diese Geschichten, wie er mit einem Augenzwinkern sagte, selbst erlebt. Na ja, fast. Oder er hatte sie auch nur geträumt. Egal. Die Geschichten waren toll und die Kinder in der Straße freuten sich, wenn Opa Baumann wieder einmal fragte: „Na, wie wäre es mit einer neuen Geschichte? Garantiert selbst erlebt.“
„Oh ja!“, riefen dann alle, auch mit einem Augenzwinkern.
So auch heute.
Opa Baumann kehrte mit Dackel Fritzi von einem Waldspaziergang zurück. In der Hand hielt er Pusteblumenstängel ohne Pusteblumen. Ob er die unterwegs ausgepustet hatte?
Die Kinder lachten.
„Ihr wundert euch sicher über meinen seltsamen Blumenstrauß“, begann Opa Baumann da auch schon mit seiner Geschichte und winkte mit seinem traurig kahlen „Stängel“-Strauß.
„Also, das war so: Heute spazierte ich mit Fritzi zur Waldwiese. Zum Blumen pflücken. Eine Freude wollte ich meiner liebe Frau machen mit einem bunten Waldblumenstrauß. Und bunt blühte es auch auf der Wiese in den prächtigsten Farben: rot, gelb, weiß, blau, lila, rosa, pink, orange, gräsergrün und bunt. Eine Blume schöner als die andere. Und wie süß sie alle dufteten! Nur schwer konnte ich mich entscheiden, welche Blüten ich wählen sollte. Die Margeriten und Glockenblumen oder der wilde Flieder? Die Wildrosen oder die Holunderblüten? Oder?
„Ach was!“, beschloss ich laut. „Ich nehme von jeder Blüte eine. Dann wird mein Strauß kunterbunt und Oma Baumann wird sich auch kunterbunt freuen.“
Ich beugte mich über einen blauen Wiesensalbei. Doch was war das? Die Blüte sprach mich an. Ganz deutlich hörte ich ihre Stimme: „Lass mir meine Blüte noch ein Weilchen!“, bat sie mich. „Ich liebe mein Leben auf der Waldwiese so sehr.“
Ich schreckte zurück. Einen sprechenden Wiesensalbei hatte ich noch nie getroffen.
„Gut. Gut“, versprach ich dem tapferen Blümchen. „So nehme ich eben eine Margerite.“
Wieder wollte ich mich bücken und wieder hörte ich ein Stimmchen. „Ich will auch noch nicht gepflückt werden“, rief es mir zu. „Ich möchte die Sonnenstrahlen sehen.“
Klar. Auch diese Bitte konnte ich nicht abschlagen.
„Darf ich dich pflücken, Grashalm? Deine Blüten haben hübsche weiße Tupfer“, versuchte ich es zum dritten Mal.
„Später!“, bat der Grashalm. „In drei, vier oder fünf Tagen. Aber nun lass mich bitte noch ein wenig den Wind spüren!“
Hm. Ich sah mich um und begriff, wie sehr die Blumen und Grashalme ihr Wiesenleben liebten.
„Hm. Ich werde wohl besser keinen Blumenstrauß pflücken“, beschloss ich. „Das macht euch traurig und mich auch. Aber was soll ich nun meiner Frau schenken?“
„Uns! Uns! Uns!“, hallte es da von allen Seiten zu mir hier.
„Euch? Wer seid ihr?“ Suchend blickte ich mich um.
„Hier sind wir und Löwenzahn-Pusteblumen sind wir. Wir sind nicht traurig. Ein Blumenstrauß möchten wir sein. Ein fröhlicher Blumenstrauß. Pflücke uns und puste unsere Samenfallschirme überall hin auf deinem Weg durch den Wald. Im nächsten Jahr werden wir dir mit vielen gelben Löwenzahn-Blütensonnen ein Dankeschön zuwinken.“
Oha! Pusteblumen und Samenfallschirme und Blütensonnen? Diese Idee gefiel mir. Ja, und dann pflückte ich einen ganz großen Pusteblumenstrauß. Und auf dem Heimweg dann sind mir aus meinem Strauß viele kleine Pusteblumenfallschirmflieger davon geflogen, ja, und das ist nun der Rest meines Straußes.“
Opa Baumann hob seinen Blütenstängelstrauß in die Höhe. „Was Oma Baumann dazu wohl sagen wird?“
Mit gespielt trüber Miene sah er die Kinder an und grinste.
Hihi! Wie ulkig Opa Baumann heute wieder erzählte! Zum Kringeln ulkig.
„Bestimmt wird sich Oma Baumann vor Lachen kringeln“, rief eines der Kinder und lachte. Ja, und dann lachten alle.

© Elke Bräunling

Löwenzahnliebe

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