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Der Familientag

Die Sonne strahlte herrlich warm an diesem Sonntag im Mai. Heimlich hatten Pia und Pit mit Omas Hilfe als Muttertagsgeschenk einen Picknickkorb voller Köstlichkeiten vorbereitet: Schinken- und Käsebrote, Eiersalat, Lauchpizza und einen leckeren Apfelkuchen. Mama würde staunen.
Voller Vorfreude stürmten die Geschwister auf die Terrasse, wo es sich die Eltern auf Liegestühlen gemütlich gemacht hatten.
„Habt ihr Lust auf eine Radtour?“, fragte Pia. „Mit einer tollen Überraschung“, fügte Pit hinzu.
„Ach nein.“ Mama schüttelte den Kopf. „Es ist so gemütlich hier in der Sonne. Heute möchte ich am liebsten gar nichts tun und ausruhen.“
Papa nickte. „Die vergangene Woche ist sehr stressig gewesen.“
„Aber es ist doch Muttertag!“, rief Pia und Pit ergänzte: „Den müssen wir feiern!“
Mama räkelte sich und schloss die Augen. „Am liebsten feiere ich hier im Liegestuhl.“
Papa sah die Geschwister warnend an. „Wenigstens heute könntet ihr uns Ruhe und Erholung gönnen.“
„Hast du auch Muttertag?“, fragte Pit. Er war enttäuscht. Was würde nun aus dem Überraschungspicknick werden?
„Doof“, maulte er, doch er sagte es so leise, dass die Eltern ihn nicht hören konnten.
„Geht mit Rex spazieren!“, schlug Mama vor. „Damit macht ihr mir eine Riesenfreude – und Rex hat auch seinen Spaß.“
„Und wir haben unsere Ruhe“, freute sich Papa.
Dann lächelten sie, Mama und Papa. Sie lächelten sich so nett an, dass Pia Pit am Arm zupfte und ihn mit sich ins Haus zog.
„Schenken wir Mama einen Ausruhtag“, sagte sie. „Vielleicht haben sie später Picknick-Lust!“
Alleine zogen sie mit Rex los.
„Immer wollen sie ihre Ruhe haben“, meckerte Pit unterwegs. „Wie langweilig.“ „Erwachsene haben halt oft keine Zeit für Kinder“, meinte Pia.
„Dann klauen wir ihnen ein bisschen Zeit. Nachher, wenn sie sich ein bisschen ausgeruht haben.“
„Wie denn?“
Pit ließ sich ins Gras am Wegrand fallen. „Mir wird bestimmt etwas einfallen.“
„Huhuuuu! Ki-hinder!“, hallte es plötzlich von weitem. „Sind eure Eltern zu Hau-ause?“
Pia und Pit erschraken. Die Müllers, die neuen Nachbarn vom anderen Ende der Straße, kamen mit Walking-Stöcken und verschwitzten Gesichtern auf sie zu.
„Sagt ihr euren Eltern Bescheid, dass wir in einem halben Stündchen mit einem oder zwei Fläschlein Sekt bei euch vorbeischauen?“, flötete Frau Müller. „Wir machen uns wieder einen gemütlichen Sonntag auf eurer Terrasse wie letztes Wochenende. Das war doch nett, oder?“
„Ich bringe auch Skatkarten mit!“, dröhnte die Bassstimme von Herrn Müller dazu.
Oh je! Die Müllers! Die waren am letzten Sonntag zu einem ‚Kennenlern’-Besuch gekommen und hatten so viel geredet und gegessen und getrunken, dass Mama und Papa hinterher schlecht gelaunt waren. „Nie wieder die Müllers!“ hatte Papa gebrummt und Mama hatte „Ich kann nicht mehr!“ gemurmelt.
Pia und Pit sahen die Müllers erschrocken an und nickten.
„Fein“, sagte Frau Müller. „Wir müssen uns nur ein wenig frisch machen. Bis später!“
„B-b-bis später“, stammelten Pia und Pit und sahen den beiden verdutzt hinterher.
Dann aber rasten auch sie los. Nach Hause. Mama und Papa warnen.
„Mapa, Papa! Schnell. Wir müssen verschwinden“, rief Pit aufgeregt. „Die Müllers wollen wieder kommen. Mit Sekt und Skatkarten.“
Mama sprang auf. „Die Müllers? Wann? Wie? Warum?“
„Nicht schon wieder!“, stöhnte Papa. „Lasst uns schnell verschwinden.“ Er sah Pia und Pit an. „Habt ihr noch Lust auf eine Radtour?“
„Jaaa!“, riefen die Geschwister wie aus einem Mund.
„Dann nichts wie los.“ Mama rannte ins Haus. „Los! Umziehen! Und nichts wie weg! Muttertag ist ein Familientag.“
Und das wurde er auch, dieser Muttertag. Ein toller, fröhlicher Familientag mit einer aufregenden Radtour und einer köstlichen Picknicküberraschung.
„Das war mein schönster Muttertag“, sagte Mama später. „Danke!“
„So übel sind sie gar nicht, diese Müllers“, murmelte Pia leise und Pit nickte.

© Elke Bräunling

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Aus dem Buch: WALDGESCHICHTEN

Taschenbuch: Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Wald: Waldgeschichten für Kinder Ebook:  Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Wald  Information

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