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Palmsonntagszauber

In diesem Jahr verbringt Nico die Osterferien bei Verwandten in Bärsdorf. Alles ist hier anders als daheim. Ja, die Osterzeit ist hier sogar ganz schön aufregend. Das beginnt schon am Sonntag vor Ostern, dem Palmsonntag.
„Aufstehen!“, ruft Großtante Anna in aller Herrgottsfrühe durchs Haus. „Beeilt euch! Frühstück ist fertig.“
„So früh!“ Murrend steht Nico auf und kommt ganz verschlafen als letzter zum Frühstück.
Alle lachen.
„Palmesel, Palmesel“, rufen Tini und Robbi, und Großtante Anna erklärt Nico:
„Wer am Palmsonntag als letzter aus den Federn kriecht, wird Palmesel genannt. Haha.“
„Ha-haa! Ia-Iaa!“, knurrt Nico und findet die Sache mit dem Palmesel gar nicht lustig. So früh am Morgen fühlt er sich fast selbst wie ein Esel.
Aber es kommt noch schlimmer.
„Du musst deinen Palmwisch schmücken!“, sagt Onkel Hubert.
„I-i-ich soll einen Palmstrauß in die Kirche tragen?“, stottert Nico. „A-aber ich weiß doch gar nicht, was ich da tun soll.“
„Geh einfach hinter uns her“, sagt Tini.
Und Robbi erklärt: „Nur Kinder dürfen Palmwische tragen, so wie damals in Jerusalem. Da sind auch die Kinder dem Jesus mit Palmen entgegengelaufen, weil sie sich so gefreut haben.“
Jetzt begreift Nico, und er freut sich über diese ehrenvolle Aufgabe.
Es wird eine schöne Feier, und noch beim Mittagessen muss Nico daran denken, wie festlich es in der Kirche gewesen ist. Alle Kinder von Bärsdorf haben ihre Palmsträuße zum Altar getragen, und die Orgel hat richtig toll gebraust. Eiskalt ist es Nico dabei den Rücken hinabgerieselt.
„Schade, dass es so ein Fest nicht bei uns in der Stadt gibt“, murmelt er.
Am Nachmittag dann geht es nicht mehr so festlich zu. Nein, eher komisch.
Im Garten nämlich beobachten Nico, Tini und Robbi, wie sich Großtante Anna sehr seltsam benimmt: In Sonntagskleid und Gummistiefeln stakst sie durch die matschigen Gartenbeete, macht hier und da Halt, bückt sich, steckt etwas in die Erde und murmelt irgendwelche Sprüche. Wirklich komisch sieht das aus.
Nico hat Mühe, ernst zu bleiben. „Was tut sie denn da?“, wundert er sich.
„Palmzweige vergraben“, lacht Robbi. „Das soll den Garten fruchtbar machen.“
„Und es soll gegen Geister und Hexen schützen“, kichert Tini.
„Hoho“, lacht Nico. „So´n Quatsch! Böse Geister und Hexen gibt es nicht.“
„Psst!“, macht Tini. „Großtante Anna ist sehr abergläubisch. Sogar in Haus und Scheune hängt sie Palmzweige.“
„Alles wegen der Geister?“, wundert sich Nico.
„Gegen Gewitter und Hagel soll es auch helfen.“ Robbi verzieht sein Gesicht. „Ist halt ein „Alte-Leute-Brauch.“
„Macht euch nur über mich lustig!“, ruft Großtante Anna und winkt ihnen mit dem Palmstrauß zu. „Ich glaube an alte Bräuche!“ Sie lächelt. „Ein bisschen wenigstens. Findet ihr das dumm?“
„Nein“, meint Nico, „nur komisch.“
„Und lustig“, ruft Robbi.
„Man hat halt so seine kleinen Eigenarten“, meint Großtante Anna.
„Jaja“, ruft Tini, „jeder hat so seine Macken.“
Da muss Nico lachen. „Besonders an Palmsonntag, nicht?“

© Elke Bräunling

Und welche weiteren Abenteuer das Stadtkind Nico in diesen Osterferien auf dem Lande erlebt, könnt ihr hier nachlesen.
Aus dem Buch:

WIEDER DA in überarbeiteter Neuauflage

TASCHENBUCH: Auf der Osterwiese: Ein Osterferienabenteuer
EBOOK: Auf der Osterwiese – Ein Osterferienabenteuer
Information

 
Auf der Osterwiese – Eine Osterferienerzählung für Kinder
Neuauflage des Buches „Die Zauberwiese“ – Eine Erzählung für Kinder

Die Osterzeit ist eine spannende Zeit in Bärsdorf, wo Jan seine Osterferien verbringt. Hier erlebt er eine Osterwoche, in denen er alte Sitten und Gebräuche rund um Ostern und die Osterzeit, historische Details sowie die Frühlingswelt in der ländlichen Natur kennen lernt. Manches versetzt ihn in eine zauberhafte Welt des Staunens. Vor allem auf der Heidwiese passieren merkwürdige Dinge. Oder ist alles nur ein Traum?
Empfohlen für Kinder, Familie, Kindergarten, Vorschule, Grundschule

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