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Ein Glückstag für Tobi

Samstags hat Papa Zeit für mich. Ich freue mich jede Woche auf diesen Tag. Am liebsten möchte ich schon ganz früh aufstehen. Aber ich weiß, dass Papa auch mal ausschlafen muss und ich wecke ihn nicht allzu früh.
Meist schalte ich meinen CD-Spieler an und höre noch eine Folge meiner Lieblingsserie und je weiter ich zum Schluss komme, desto lauter drehe ich den Ton. So kriege ich Papa am besten wach und er wird dann auch gar nicht ärgerlich. Er hat ja eine ganze CD lang Zeit, in Ruhe wach zu werden. Das reicht!
Wir frühstücken dann zu dritt, Mama, Papa und ich und nach dem Frühstück verschwindet Mama im Bad. Papa und ich lesen die Zeitung, ich helfe Papa dabei, damit es schneller geht.
„Guck hier, Papa. Der Tierpark öffnet in der nächsten Woche wieder. Gehen wir da mal hin?“
„Ja, bestimmt!“, knurrt Papa. Er scheint noch immer ein wenig müde zu sein.
„Und hier: Stadt sucht Helfer für die Pflege der Grünanlagen. Wäre das nicht was für uns?“
Plötzlich ist Papa ganz wach.
„Zeig mal!“, ruft er schnappt sich den Teil der Zeitung, in dem ich gerade lese.
„Wir könnten doch mit unserem Rasenmähertrecker helfen, oder?“, frage ich eifrig.
Papa liest aber erstmal den ganzen Artikel bevor er antwortet.
„Das ist nichts für uns, die suchen Leute, die Müll sammeln!“
„Das können wir doch machen und dann nehmen wir den Trecker und sausen – brrrummm – über den Rasen.“
„Hör zu! Gesucht werden Bürger unserer Stadt, die mit Bollerwagen und Müllsäcken ausgestattet werden, um unsere Parks von Müll zu befreien. Alle, die an der Aktion teilnehmen möchten, treffen sich um 11.00 Uhr vor dem Rathaus.“
Ich finde das ganz toll und will Papa überreden mitzumachen. Mama schließt sich auch an und ein wenig zögerlich noch und mit vielen „Abers“ stimmt Papa zu.
„Also gut, aber vorher lese ich noch die Zeitung zu Ende!“
Pünktlich, eine Viertelstunde vor dem Treffen, marschieren wir dann los. Mama hat Einmal-Handschuhe eingepackt und Mineralwasser. Auf dem Rathausvorplatz stehen viele Leute, die ebenfalls helfen wollen. Die Sonne ist uns wohlgesinnt und schickt die ersten warmen Frühlingsstrahlen zur Unterstützung.

Auch die Familie Marienkäfer genießt die Frühlingssonne, als sie plötzlich ein Beben wahrnimmt. „Ein Erdbeben!“, ruft Mutter Käfer und fliegt auf den obersten Ast der Kastanie, von wo aus sie eine gute Übersicht hat. „Mann, Kinder, rauf auf den Baum, die Menschen kommen.“
Das ist eine Aufregung! Eine Horde Menschen, das bedeutet, dass der schöne Rasen zertrampelt wird und mancher Käfer in den Boden gestampft wird. Alle Insekten des Parks haben das nun mitbekommen und retten sich auf die Bäume, bis auf die kleine Marie, die schaukelt auf einem Gänseblümchen und träumt.

„Guck mal, Mama!“, rufe ich und zeige meiner Mutter den kleinen Marienkäfer auf dem Gänseblümchen. „Ein Glückskäfer!“
Mama freut sich, sie mag Marienkäfer und Glück mag sie auch haben. Wir warten, bis alle Müllsammler weitergegangen sind, dann verabschieden wir uns von dem kleinen Käferchen.
„Pass gut auf dich auf, kleine Schönheit!“, sagt Mama.
„Und bring uns Glück!“, bitte ich und ich bin davon überzeugt, dass es so sein wird. Es wird uns Glück bringen.
Nach ein paar Stunden haben wir jede Menge Müllsäcke gefüllt und bringen sie mit den Bollerwagen zum Rathaus, dort wird alles auf einen kleinen LKW geladen und zur Entsorgung gebracht. Wir alle sind stolz und hungrig und deshalb ist es ein großes Glück, dass jeder Müllsammler nun eine große Brezel zur Belohnung bekommt.
Hat ja geklappt, mit dem Glück, sag ich doch!

© Regina Meier zu Verl 2015

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