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Opa Meier und das Marienkäfer-Glück

„Autsch!“ Opa Meier war im Garten auf der Wiese ausgerutscht und ins nasse Gras gefallen. Da lag er nun und fühlte sich sehr hilflos und alleine.
„Mein Fuß, oh weh, mein Fuß!“, jammerte er. „Er tut so weh.“ Er versuchte aufzustehen, doch der Fuß schmerzte zu sehr. „Hilfe!“, rief er. „Mein Fuß! Zu Hilfe!“
Aber niemand hörte seine Rufe. Die Nachbarn waren zur Arbeit oder beim Einkaufen, und Oma Meier hatte sich zu einem Besuch mit ihrer Freundin verabredet. Nur vom nahen Spielplatz hörte Opa Meier das Lachen und Jubeln der Kinder. Die spielten Fußball und tobten so laut über die Wiese, dass Opa Meiers Rufe ungehört blieben.
Nur Anna mit dem Gipsbein saß am Rand der Spielwiese und schaute ihren Freunden zu.
„Ich habe eben kein Glück“, murmelte sie und starrte traurig auf ihr verletztes Bein mit dem bunt bemalten Gips. Zu gerne hätte sie mitgespielt. Schließlich war sie eine der besten Torjägerinnen.
Während sie noch über ihr Pech nachgrübelte, setzte sich ein Marienkäfer für eine kleine Verschnaufpause auf ihr Knie.
Anna lächelte. „Bring mir Glück, du Glückskäfer, du!“, murmelte sie und dachte ganz fest an ihr krankes Bein. Bestimmt würde es nun schneller heilen und dann konnte sie den anderen zeigen, dass sie immer noch eine gute Torjägerin war.
Der Marienkäfer krabbelte über ihr Bein, dann pumpte er die Flügel auf und flog weiter zu den Gärten. Verträumt schaute ihm Anna hinterher. Auf einmal aber glaubte sie, einen schwachen, leisen Hilferuf zu hören.
Komisch. Anna stand auf und humpelte langsam zum Gartenzaun hinüber.
„Hilfe! Zu Hilfe!“ Ganz deutlich hörte sie die Rufe nun. Sie beugte sich über den Zaun, schob die Zweige des Fliederbusches zur Seite und sah Opa Meier im Gras. Der winkte ihr aufgeregt zu.
„Was für ein Glück, dass du kommst!“, rief er Anna zu. „Ich kann nicht alleine aufstehen. Helft ihr mir bitte?“
Anna nickte. „Aber klar.“
Und klar: Wenig später halfen viele Kinderarme dem armen Opa Meier, aufzustehen und ins Haus zu humpeln.
„Was für ein Glück!“, sagte Opa Meier wieder. „Das nämlich habe ich mir vorhin gewünscht, als sich ein Marienkäfer für ein Weilchen auf meinen Fuß setzte.“ Er lächelte und belohnte seine Retter mit heißer Schokolade und Keksen. Dann humpelte er zum Fenster und rief „Danke, kleiner Glückskäfer“ in den Garten hinaus.
„Danke, kleiner Glückskäfer“, murmelte da auch Anna. „Und, bitte, vergiss auch mich nicht. Hörst du?“

© Elke Bräunling

Aus dem Buch:

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